Sportwagen der Corrado-Klasse

Bewertung: 4 / 5

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Vergleich der Sportwagen in der Corrado-Klasse

Als der Corrado 1989 das Licht der Welt erblickte, hatten ihm die Väter von VW und Karmann einiges mit auf die Straßen gegeben, welches den VW-Sportwagen positiv von anderen absetzte.
Der Corrado war nicht der Nachfolger des Scirocco, wie viele Laien meinen, denn beide Modelle wurden 5 Jahre parallel gebaut

Erst den "kleinen" Einstiegs-Corrado mit dem 115 PS GTI-Motor kann man evtl. als Scirocco-Nachfolger bezeichnen, da er auch preislich in etwa in den Bereich der letzten Sciroccos kam. Sicherlich war es ein Fehler, die günstige 115 PS-Variante so spät - zu spät - auf den Markt zu bringen.
Der letzte Scirocco lief im September 1992 vom Band

Leider behielten die Kritiker recht, die schon vor der Auslieferung der ersten Corrados, VW
drei strategische Fehler vorwarfen:

  1. Verwirrende, finanziell und betriebspolitisch problematische Doppelbelastung mit zwei Fahrzeugen( Scirocco und Corrado) im annähernd gleichen Marktsegment.
  2. Der Rückzug aus der Klasse der preiswerten Sportcoupes (keine günstiges Einstiegsmodell zum Serienbeginn)
  3. Anstatt die relativ markentreue Scirocco-Kundschaft zu befriedigen, positionierte man den Corrado in einer Preisklasse, in dem schon das Audi Coupe vertreten war.

Trotzdem hat der Corrado eine zwar kleine aber überwiegend hoch zufriedene Fan-Gemeinde gefunden. Mit dem Namen Corrado wird meistens auch der G-Lader in Verbindung gebracht. Der G-Lader, beim Corrado der G60, ist eine technische Meisterleistung, die beim Erscheinen, überwiegend zum lange etablierten Turbolader, in Konkurrenz stand.
Unter den 1989 verfügbaren Sportwagen in der Leistungsklasse um 160 PS war die Konkurrenz eher spärlich. Bis 1990 kamen jedoch einige Modelle auf den Markt. Vertreter in dieser Klasse waren der Corrado G60, Nissan 200SX Turbo mit 169 PS, der Toyota MR2, das Audi Coupé 2,3 20V, der Opel Calibra 16V und der Honda CRX VTEC.

Modell
PS bei
U/min
max. Drehmo-ment
bei U/min.
Kolbenge-schwindig-
keit bei Nenn-
drehzahl
Motor-
Konzept
Gewicht
in kg
Besonderheiten
VW
Corrado
G60
160/5600 225/4000 16,1 m/s 1,8 Liter
4 Zyl. 2 V
G-Lader
1157 trotz niedriger Drehzahl und
niedriger Kolbengeschwindigkeit
ein hohes Drehmoment.
VW
Corrado
16V
136/5800 180/4400 18,0 m/s 2.0 L
4 Zyl. 4V
1175 sehr kultivierter 16V-Motor,
dessen Basis schon viele Evolutionsstufen durchlief.
Hohe mittl. Kolbengeschwindigkeit
VW
Corrado
2.0
115/5400 166/3200 16,7 m/s 2.0 L
4 Zyl. 2V
1135 langlebiger, problemloser Motor
VW Corrado
VR6
190/5800 245/4200 17,5 m/s 2,9 L
6 Zyl. 2V
1210 Sehr kompakter 6 Zylinder mit
einem V-Winkel von nur 15 Grad.
Mit geringerer Leistung auch im Golf, Passat, Sharan und bei Mercedes eingesetzt .
Audi Coupe 2.3 20V
167/6000 216/5400 17,2 m/s 2,3 L
5 Zyl. 4V
1250 Komfortbetontes, sehr gut verarbeitetes Sportcoupe mit
guten Platzverhältnissen
Opel
Calibra 16V
150/6000 196/4800 17,2 m/s 2.0 L
4 Zyl. 4V
1289 sehr guter cw-Wert, günstiger Verbrauch
Nissan 200 SX Turbo
169/6400 224/4000 17,8 m/s 1,8 Liter
4 Zyl. 4 V
Turbo
1247 Gute Beschleunigungswerte,
sehr hoher Verbrauch, eingeschränkte Alltagstauglichkeit
Toyota MR2
156/6600 186/4800 18,9 m/s 2.0 L
4 Zyl. 4V
1226 Zweisitzer mit Mittelmotor, etwas laut, geringer Grenzbereich.
Honda CRX VTEC
150/7600 144/7100 19,6 m/s Front 1025 max. Drehmoment erst bei 7100 U/min ! Variable Ventilsteuerung, schwierig im Grenzbereich.

Besonders bemerkenswert ist, dass der Corrado G60 als Zweiventiler mit nur 1.8 Liter Hubraum und einer Drehzahl von nur 5600 U/min 160 PS liefert. Für vergleichbare Leistungen mussten die Motorkonstrukteure der anderen Firmen auf Vierventiler, größeren Hubraum und höhere Drehzahlen zurückgreifen.
Dabei liegt die mittlere Kolbengeschwindigkeit des G60-Motors selbst unter dem des 2.3 Liter großen Audi 5 Zylinders, was der mechanischen Belastung der G-Ladermotors natürlich positiv zugute kommt. Mehr dazu im Beitrag über die Kolbengeschwindigkeit der Corrados.

Die serienmäßigen Fahrwerksqualitäten des Corrado's sind wohl, wie die vielen Testberichte beweisen, über jeden Zweifel erhaben. Dass die Entwickler beim Corrado scheinbar schon weiter waren, als 10 Jahre später z.B. die Konstrukteure des Audi TT, beweisen Presseberichte(05/99), wonach die ersten TT's durch ihre (spoilerlose) Form, bei hohen Geschwindigkeiten soviel Auftrieb erhielten, dass in schnell gefahrenen Kurven das Fahrverhalten in den kritischen Bereich kam und durch eine Rückrufaktion die TT's mit Heckspoiler nachgerüstet werden mussten.
Das dies beim Corrado nicht auftreten kann, dafür sorgt der automatisch ausfahrbare Heckspoiler, der den Auftrieb an der Hinterachse um 64% reduziert. Dieser Spoiler ist auch für den tadellosen Geradeauslauf bei über 200km/h mit verantwortlich.

Als VW zum Modelljahr 92 den Sechszylinder im Corrado präsentierte, war die Konkurrenz erneut ins Hintertreffen geraten. Lediglich die Japaner konnten einen Sechszylinder im neuen Mazda MX-6 vorweisen. Der große Test in der Auto Bild 08/92 ergab folgendes Ergebnis (ohne den Testpunkt Kosten):

TestAutoBild08 92
Anmerkung
: Der Corrado VR6 wird zwar mit einem Punkt Rückstand 'nur' Zweiter. Betrachtet man aber wo er die Punkte gegenüber dem Mazda verloren hat, ergibt sich nur die Bewertung im Feld Karosserie/Innenraum als Nachteil. Dabei verliert der Corrado beim Platzangebot und beim Kofferraum jeweils einen Punkt, bei der Rundumsicht und der Bedienbarkeit zwei Punkte und gewinnt einen Punkt bei der Verarbeitungsqualität (Bestwert).
Wer also viel Wert auf Fahreigenschaften, Fahrkomfort, Motor/Getriebe und Geschwindigkeit auf kurvenreichen Strecken legt, für den ist der Corrado eindeutig der Testsieger..

Das gute Testergebnis ist auch deshalb so bemerkenswert, weil der Corrado ja einige Jahre früher entwickelt wurde als die Konkurrenten.

Dass man mit einem sehr guten Fahrwerk auf kurvenreichen Strecken auch gegen PS-stärkere Autos bestehen kann zeigte der Corrado auf der 22 km langen Nordschleife als er mit der schnellsten Zeit sogar den Opel Calibra Turbo mit Allrad knapp auf den zweiten Platz verwies.