Vergleich der Corrado-Motoren

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G60 versus VR6

Die Vorgeschichte:

Der Übergang 1977 vom VW Käfer 1303 S mit Heckmotor und Heckantrieb auf den damals ziemlich neuen ersten Golf GTI mit Vorderradantrieb war schon ziemlich heftig und die Entscheidung fiel mir auch nicht leicht, aber nach einer ausgiebigen Probefahrt hatte der GTI knapp "gewonnen". So zuverlässig wie der Käfer war der GTI leider nicht und nach 10 Jahren mit relativ viel Ärger stand ich kurz davor die Marke zu wechseln. Meine AutosDavon hielt mich nur ein sehr aufopferungsvoll kämpfender VW-Verkäufer ab. Vier Wochen lang versuchte er mich mit täglichen Telefonanrufen weich zu kochen, einen Golf GTI 16V zu kaufen. Nach dem die Angebote immer besser wurden und ich irgendwann den Eindruck hatte, dass er sich jetzt zu meinen Gunsten vertan hatte, "schlug" ich zu.
Den Kauf habe ich nie bereut. Da ich einerseits mit dem GTI 16V qualitativ sehr zufrieden war, aber anderseits durch den fehlenden Katalysator die Wiederverkaufschancen langfristig zu sinken drohten, wagte ich, nach nur drei Jahren, den GTI zu verkaufen und einen neuen Corrado G60 zu bestellen.

Im April 1990 stand das edle Stück mit mehrteiligen BBS-Rädern und Darkburgundy-Lackierung vor der Tür. Die Begeisterung war groß. Auf Anhieb fühlte ich mich im Auto wohl, es passte sozusagen wie ein Maßanzug. Das richtige Auto für Fahrer mit etwas Benzin im Blut.
Die Straßenlage war gegenüber dem gewiss nicht schlechten Golf 16V nochmals, durch den tieferen Schwerpunkt und weiteren Detailverbesserungen, spürbar verbessert worden. Besonders in engen Kurven konnte der Corrado seine Vorteile ausspielen. Der Motor überzeugte durch eine gleichmäßige, unspektakuläre Kraftentfaltung und einer hervorragenden Elastizität. Dabei lag der Benzinverbrauch sogar unter dem des Golf GTI 16V.
1997 bekam der G60 eine Extraportion Leistung im Form eines Chiptunings verpasst. Von Problemen blieb der G60 nicht verschont, doch die Liste der Ärgernisse ist relativ kurz: Zwei Batterien, elektr. Steuergerät für die Fensterheber und der Tacho (Kulanz) sind alle in sieben Jahren aufgetretenen Probleme. Insgesamt behalte ich den G60 in sehr positiver Erinnerung.

Im Oktober 1997 fand ich nach über einjähriger Suche endlich einen fast wunschgemäßen drei Jahre alten Corrado VR6 in der Farbe moonlightblue perleffekt. Der Wagen wurde jeden Winter (Dez. bis Mai) abgemeldet, hat eine zusätzliche Hohlraumkonservierung direkt nach der Erstauslieferung erhalten, war checkheftgepflegt und erst 29.500 km gefahren worden.
Die Verkaufsverhandlungen waren dann sehr emotional, weil der Besitzer sich von dem Corrado eigentlich nicht trennen wollte, es aber aus Vernunftsgründen (nach Hausbau täglich 200 km zur Arbeit und zwei kleine Kinder) wohl tun musste. Letztendlich wurde mir der Corrado mit der Auflage "ihn gut zu behandeln" übergeben.
Ich war gespannt, wie sich das geänderte Fahrwerk (Plus-Fahrwerk, EDS) und die 190 Sechszylinder PS auswirken würden.

Der Vergleich:

Der erste richtige Test fand in den Alpen statt. Zunächst begeisterte der nie aufdringliche 6-Zylinder-Sound und die im Vergleich zum 90er G60 wesentlich exakterer Seilzugschaltung. Die Lenkung erschein mir zu leichtgängig, aber das lag wie sich später herausstellte, an den Dunlop SP2000 - Reifen.
Die Beschleunigung aus dem Stand war nicht so gleichmäßig wie beim G60. Der VR6 kommt so richtig bei ca. 3800 U/min zu Sache. Auf der Autobahn (4./5. Gang) habe ich festgestellt, dass im 5. Gang der VR6 einem gut gehenden G60 bis etwa 210 km/h nicht entscheidend davonfahren kann. Danach fällt der G60 aber deutlich zurück. Etwas anderes ist es aber wenn der VR6 im 4.Gang beschleunigt weil der 6-Zylindermotor etwas länger ausgedreht werden kann. Entscheidender Nachteil des VR6 bei vergleichbarer Fahrweise ist der um ein bis zwei Liter höhere Benzinverbrauch. Etwas überrascht war ich vom Fahrwerk. Das sehr agile Fahrverhalten des 90er G60 konnte der 94er VR6 zumindest in engen Kurven nicht aufweisen. Obwohl mit Plus-Fahrwerk, 205er Reifen (G60 mit 195er) und elektronischer Differenzialsperre ausgestattet, ist nach meiner Erfahrung der G60, durch das niedrigere Gewicht auf der Vorderachse minimal schneller um enge Kurven zu bewegen. Bei langen, sehr schnell gefahrenen Kurven fand ich allerdings den VR6 subjektiv stabiler.
Ein Wechsel der Bereifung von Dunlop SP2000 auf Pirelli 7000 brachte erhebliche Verbesserungen, vor allem bei nasser Strasse. Ein weiterer Wechsel zu Goodyear Eagle F 1 verbesserte nochmals das Trockenhandling mit leichten Nachteilen beim Nasshandling.

Änderungen:

Im Juni 98 ließ beim damals sehr bekannten Tuner Hartmann Motorsport folgende Änderungen vornehmen:
Edelstahl- Fächerkrümmer + Sportabgasanlage komplett ab Kat + Saugrohrbearbeitung + Steuergeräteanpassung (Chiptuning).
Hartmann verspricht für diese Tuningstufe HP 65B eine Leistung von 215PS bei 6500 U/min, 276 Nm bei 4200 U/min und 247 km/h Vmax.
Der Spritverbrauch soll dabei gegenüber der Serie geringer sein.
Die erste Leistungsmessung ergab lediglich 193,12 PS. Herr Jörg Hartmann untersuchte den VR6 auf dem Leistungsprüfstand und stellte eine falsche Einstellung der Drosselklappe fest. Weiterhin wurde der Luftfilterkasten und der Luftfilter für eine bessere Luftzufuhr optimiert. Eine erneute Messung ergab dann 208 PS bei einer relativ hohen Einlasslufttemperatur von 30 Grad, so dass eine Leistung von 215 PS bei 20 Grad lt. Berechnung möglich erscheint.
Der Sound der Hartmann Abgasanlage ist wirklich sehr schön - und auch bei längeren Fahrten nie aufdringlich oder nervend. Erst nach 19 Jahren (2017) musste die Abgasanlage nachgeschweißt werden.
Trotz der Leistungserhöhung konnte ich keine Erhöhung der Benzinverbrauchs feststellen. Bisher, nach über 19 Jahren (Oktober 2017), sind keinerlei Motorprobleme aufgetreten.

Meine VW's smile

Käfer 1200 (34PS)

VW 1500S (54 PS)

Käfer 1303S( 85 PS getunt)

Golf I GTi (110 PS)

Golf II GTI 16V (139 PS)

Corrado G60 (180 PS)

Corrado VR6 (215 PS)

Corrado 2.0 (115 PS)

Golf VI GTI (210 PS)

Fazit:

Vorteil G60:

  • etwas sportlicher bei engen Kurven
  • deutlich sparsamer im Benzinverbrauch
  • leichter und preiswerter zu tunen.
  • G-Lader ist eine besondere und seltene Technik (Kultstatus)
  • das Original - wird als erster den Youngtimer und Oldtimer - Status erhalten

Vorteil VR6:

  • komfortabler
  • etwas bessere Beschleunigung und größere Höchstgeschwindigkeit
  • Sechszylinder ist, leicht abgewandelt auch in vielen anderen Modellen von VW und anderen Herstellern im Einsatz.
  • Besseres Image, höherer Wiederverkaufswert
  • bis Juni 95 gebaut

Das bessere Auto:

Da traue ich mir selbst nach über 27 Jahren (1990-2017) Corradoerfahrung mit drei unterschiedlichen Motorvarianten kein abschließendes Urteil zu. Eine Menge Fahrspaß bieten alle von mir gefahrenen Corrados. Je nach Vorlieben fühlt man sich im G60 oder VR6 besser aufgehoben. Mir hat es mehr das Design des Corrados angetan - und das ist ja unabhängig vom Motor.

Meine persönliche Kaufentscheidung (wenn alle Corradomodelle noch gebaut würden) :
Ich würde mir eventuell wieder einen Corrado mit G-Lader kaufen!

Vielleicht ist aber auch der 16V oder der 2.0 eine gute Alternative. Der 2.0i sieht schneller aus, als er in Wirklichkeit ist. Er ist aber eine Empfehlung für Leute, die Wert auf Optik, günstigen Unterhalt und weniger auf Motorkraft legen, oder langfristig planen den Motor gegen einen anderen aus dem VW/Audi-Regal auszutauschen. Z.B. gegen den 1.8 Turbo-Motor oder den 1.4 TSI mit 170 PS.

Fahrspaß - egal ob VR6, G60, 16V oder 2.0

Nachtrag:

Nachdem ich seit 10/97 mit dem serienmäßigen VR6 und seit 6/98 mit der leicht getunten Version ( 215 PS) Erfahrungen sammeln konnte, möchte ich folgendes hinzufügen:
Der Corrado VR6 hat einen begeisternden Motor, der seine Stärken vor allem auf der Autobahn und Landstraßen zur Geltung bringt. Für den Stadteinsatz ist sicherlich ein 2.0 oder 16V durch den viel geringeren Verbrauch besser geeignet.

Oft gibt es diese Diskussionen über den "besseren" Corrado. Sie haben aber noch nie zu einem eindeutigen Ergebnis geführt. Nach meiner Meinung sind in diesem Zusammenhang gemachte Pauschalaussagen alle falsch.

Es gibt nicht den besseren Motor !

Corrado ist die Summe fortschrittlicher TechnikEs kommt einfach auf den überwiegenden Einsatzzweck und die persönlichen Prioritäten an. Die die gemessenen Fahrleistungen von objektiven Testberichte der Autozeitungen (und denen vertraue ich mehr wie den subjektiven Berichten von einigen Fahrern) sprechen nach den reinen Messwerten eindeutig und ohne Zweifel für den VR6. Daran gibt es nach meiner Meinung und langjährigen Erfahrung auch nichts dran zu rütteln.
Die Messwerte sind aber nicht alles was ein Sportwagen ausmacht. Wer beide Motorvarianten mal längere Zeit gefahren hat, wird eine Vorliebe für die eine oder andere Variante entwickeln.
Ich denke alle Corradomotorisierungen haben ihre Berechtigung - leider hat VW zu lange nur einen Motortyp angeboten und damit den Kreis der potentiellen Käufer klein gehalten.
Bei getunten Motoren ist eine Vergleichbarkeit eigentlich nicht gegeben. Dazu müsste, unter Bedingungen wie die Autozeitungen testen, ein Vergleich durchgeführt werden.

Von Mai 2003 bis Juni 2009 fuhr ich, als Alltagsauto, zusätzlich zum Corrado VR6 einen Corrado 2.0. Trotz 100 PS Leistungsdifferenz zu meinem VR6, machte mir auch das Fahren mit diesem Corrado-Typ, sehr viel Spass. Sicherlich nicht der Renner auf der Autobahn, ist diese Motorisierung doch für 200 Km/h gut und man ist damit auch kein Verkehrshindernis. Mehr Freude bereitet der leichte 2.0 jedoch auf sehr kurvenreichen Strecken, im Stadtverkehr und beim Blick auf die Unterhaltskosten. Ein guter "Allroundcorrado" der auch durch seinen robusten 2 Liter Saugmotor sehr alltagtauglich ist und von einigen Corradofans als Zweitwagen genutzt wird. Außerdem ist der 2.0 der seltenste serienmäßige Motortyp im Corrado.